Mit der zunehmenden Verdichtung des europäischen Photovoltaikmarktes geht die Modulauswahl über einen reinen Vergleich von Effizienz und Preis hinaus. Sie umfasst heute Sicherheitsstandards, Umweltanpassungsfähigkeit und langfristige Betriebsrisiken. Strengere regulatorische Anforderungen und größere Projektvolumina machen die Modulzertifizierung zu einem zentralen Faktor für Investitionsentscheidungen und Systemzuverlässigkeit. Dieser Artikel fasst die wichtigsten in Europa etablierten Zertifizierungsstandards und Prüfverfahren zusammen, erläutert deren technische Bedeutung und unterstützt eine strukturierte Bewertung bei der Beschaffung von Photovoltaikmodulen.
Inhalt
- Warum sind Zertifizierung und Prüfung von Solarmodulen so wichtig?
- Zentrale internationale Zertifizierungs- und Prüfstandards
- Wie beeinflusst die Brandschutzzertifizierung die Auswahl von Photovoltaikmodulen?
- Zuverlässigkeitsprüfungen von Photovoltaikmodulen unter besonderen Umweltbedingungen
- Zertifizierungstrends und zukünftige Beschaffungsentscheidungen
1. Warum sind Zertifizierung und Prüfung von Solarmodulen so wichtig?
Die Zertifizierung und Prüfung von Solarmodulen sind keine rein formalen Compliance-Anforderungen, sondern bestimmen maßgeblich die langfristige Zuverlässigkeit, Sicherheit und Investitionsstabilität. Photovoltaiksysteme sind typischerweise für eine Betriebsdauer von über 25 Jahren ausgelegt. Über diesen Zeitraum können selbst geringe strukturelle oder materialbedingte Schwächen die Energieerzeugung und Systemsicherheit beeinträchtigen. Standardisierte Zertifizierungsprüfungen nutzen beschleunigte Alterungs- und Umweltbelastungstests, um potenzielle Risiken bereits vor der Markteinführung zu identifizieren und die Vorhersagbarkeit der Langzeitleistung zu verbessern.
In der Praxis zeigt sich der Nutzen dieser Zertifizierungsstandards vor allem in zwei Aspekten:
- Nach IEC-Zertifizierungsstandards müssen Photovoltaikmodule systematische Zuverlässigkeits- und Sicherheitsprüfungen bestehen und von unabhängigen Stellen wie TÜV verifiziert werden. Dies reduziert Frühdefekte, elektrische Risiken und potenzielle Brandschutzgefahren.
- Zertifizierungsprüfungen bewerten zudem Energieertrag, Haltbarkeit und Degradationsverhalten. Innerhalb von ISO-Qualitätssystemen und einheitlichen Prüfrahmen schaffen diese Standards vergleichbare Referenzwerte und ermöglichen datenbasierte Beschaffungsentscheidungen.
Für Photovoltaikinvestitionen mit langfristigem Ertragsfokus erfüllt die Modulzertifizierung eine doppelte Funktion als Qualitätssicherung und Risikokontrolle. Sie gewährleistet vorhersehbare Leistung unter unterschiedlichen Klima- und Betriebsbedingungen und bildet die technische Grundlage für Finanzierung, Versicherungsbewertung und regulatorische Konformität.
2. Zentrale internationale Zertifizierungs- und Prüfstandards
Auf dem internationalen Photovoltaikmarkt existieren verschiedene Zertifizierungssysteme. Die grundlegende Basis für Zuverlässigkeit und Sicherheit von Modulen bilden jedoch vor allem zwei zentrale Normen der IEC (International Electrotechnical Commission): IEC 61215 und IEC 61730. Diese Standards gelten als technische Eintrittsvoraussetzung für Photovoltaikmodule im europäischen und globalen Markt und stellen zugleich eine der wichtigsten Referenzen für Beschaffungsentscheidungen dar.

IEC 61215: Nachweis der Langzeitzuverlässigkeit
IEC 61215 dient der Bewertung der langfristigen Zuverlässigkeit von Photovoltaikmodulen. Durch beschleunigte Alterungs- und Umweltbelastungstests, die reale Betriebsbedingungen simulieren, werden potenzielle Umweltrisiken im Langzeitbetrieb analysiert. Wichtige Prüfinhalte sind:
- Temperaturwechsel- und Feuchte-Wärme-Tests zur Bewertung der Materialbeständigkeit
- Mechanische Belastungsprüfungen zur Überprüfung der Wind- und Schneelastresistenz
- UV-Alterungstests zur Beurteilung der Leistungsstabilität bei langfristiger Sonneneinstrahlung
Eine Zertifizierung nach IEC 61215 bestätigt, dass das Modul systematischen Laborbelastungstests unterzogen wurde und eine höhere Vorhersagbarkeit der Langzeitleistung aufweist.
IEC 61730: Elektrische und strukturelle Sicherheit
IEC 61730 konzentriert sich auf die sicherheitstechnische Bewertung von Photovoltaikmodulen und stellt sicher, dass Risiken für Personen und Anlagen im Langzeitbetrieb kontrollierbar bleiben. Bewertet werden insbesondere elektrische Sicherheit, Isolationsverhalten sowie Risiken aus der Wechselwirkung mit der Umgebung. Zentrale Prüfaspekte sind:
- Isolationsschutz und Schutz vor elektrischem Schlag
- Bewertung von Brandschutzrisiken
- Nachweis der strukturellen Integrität sicherheitsrelevanter Komponenten
Dieser Standard ist besonders für gewerbliche und industrielle Projekte relevant, da er unmittelbar die Systemsicherheit und die regulatorische Konformitätsprüfung betrifft. Die entsprechenden Prüfungen werden in der Regel von unabhängigen Drittstellen wie dem TÜV durchgeführt, um Objektivität und Nachvollziehbarkeit zu gewährleisten.
Neben diesen zentralen IEC-Normen existieren weitere ergänzende Konformitäts- und Systemzertifizierungen, etwa das CE-Kennzeichen, ISO-Qualitätsmanagementzertifizierungen sowie regionale Branchenstandards. Diese Zertifikate spiegeln vor allem regulatorische Konformität und Fertigungsqualität wider, dienen jedoch nicht primär der direkten Bewertung der langfristigen Zuverlässigkeit und Sicherheit von Modulen und werden daher meist als ergänzende Referenz in Beschaffungsprozessen herangezogen.
3. Wie beeinflusst die Brandschutzzertifizierung die Auswahl von Photovoltaikmodulen?
Mit der zunehmenden Installation von Photovoltaiksystemen auf gewerblichen und industriellen Dächern rückt die Brandschutzleistung von Modulen stärker in den Fokus des europäischen Marktes. Im Gegensatz zu Freiflächenanlagen sind Dachanlagen direkt in die Gebäudestruktur integriert. Elektrische Fehler oder lokale Überhitzung können daher Kettenreaktionen auslösen und die Gebäudesicherheit beeinträchtigen. Aus diesem Grund werden Brandschutzklassen in vielen technischen Projektbewertungen inzwischen als ebenso wichtig wie elektrische Sicherheitskriterien berücksichtigt.
In Europa wird die Brandreaktion von Photovoltaikmodulen in der Regel nach dem Klassifizierungssystem EN 13501 für Bauprodukte bewertet. Dieser Standard definiert ein einheitliches Prüf- und Bewertungssystem für das Verhalten von Materialien im Brandfall, einschließlich der für Dachsysteme relevanten Broof-Klassifizierung. Module, die nach diesem System geprüft sind, erfüllen leichter baurechtliche Vorgaben und Genehmigungsanforderungen, insbesondere bei dicht bebauten Gewerbeflächen und öffentlichen Gebäuden.

Aus konstruktiver Sicht bestehen praktische Unterschiede im Brandverhalten verschiedener Modultypen. Moderne Hochleistungstechnologien wie IBC-Module, TOPCon-Module und HJT-Module verwenden häufig Glas-Glas- oder weiterentwickelte Glas-Glas-Konstruktionen. Diese Bauweisen zeigen bei hohen Temperaturen ein stabileres Materialverhalten und ein geringeres Entflammbarkeitsrisiko und sind daher für Dachanwendungen sicherheitstechnisch besser geeignet.
Brandschutzprüfungen werden üblicherweise von unabhängigen Drittstellen durchgeführt, um Objektivität und Nachvollziehbarkeit sicherzustellen. Spezialisierte Prüflabore wie das Istituto Giordano bieten Brandschutztests und Zertifizierungen für Bauprodukte nach europäischen Normen an und liefern damit eine technische Grundlage für Projektbewertungen.
Für Beschaffungsverantwortliche hilft die Berücksichtigung der Brandschutzzertifizierung, potenzielle Sicherheitsrisiken bereits in der Planungsphase zu erkennen und Unsicherheiten in Genehmigungs- und Compliance-Prozessen zu reduzieren. Bei gewerblichen und industriellen Dachprojekten sollte daher geprüft werden, ob Module eine EN-13501-Brandschutzklassifizierung besitzen, eine stabile Doppelglasstruktur aufweisen und durch nachvollziehbare Prüfberichte unabhängiger Stellen dokumentiert sind. Diese Faktoren sind direkt mit der Systemsicherheit und der langfristigen Betriebszuverlässigkeit verknüpft.
4. Zuverlässigkeitsprüfungen von Photovoltaikmodulen unter besonderen Umweltbedingungen
Neben den üblichen Zuverlässigkeits- und Sicherheitszertifizierungen stellen bestimmte Umweltbedingungen höhere Anforderungen an den Langzeitbetrieb von Photovoltaikmodulen. In Küstenregionen, feuchten Umgebungen, landwirtschaftlichen Anlagen oder Hochspannungssystemen sind gezielte Umweltprüfungen erforderlich, um Materialalterung, elektrische Degradation und strukturelle Schäden zu minimieren. Spezialisierte Zuverlässigkeitstests bieten daher eine direkte Entscheidungsgrundlage bei der Modulauswahl in solchen Projekten.
Salzsprühkorrosionstest: Küsten- und feuchte Umgebungen
In Küstengebieten oder Regionen mit häufigem Einsatz von Streusalz beschleunigt salzhaltige Luft die Korrosion von Metallkomponenten und Verkapselungsmaterialien. Zur Bewertung dieses Risikos werden Photovoltaikmodule üblicherweise nach IEC 61701 geprüft. Dieser Test simuliert eine langfristige Exposition gegenüber salzhaltiger Umgebung und bewertet die Korrosionsbeständigkeit von Rahmen, Zellverbindungen und Verkapselungsmaterialien.
Als unabhängige Prüfinstitution hat TÜV Rheinland Prüfverfahren und Bewertungsmethoden für Photovoltaikmodule in korrosiven Umgebungen dokumentiert. Diese Ergebnisse liefern wichtige Referenzen für die Modulauswahl in Küsten- und Feuchtgebieten. Bei langfristiger Salzbelastung reduziert die Auswahl entsprechend zertifizierter Module das Risiko von Korrosion und Leistungsabfall.

Ammoniakkorrosionstest: Landwirtschaftliche und industrielle Umgebungen
In der Nähe landwirtschaftlicher Gebäude oder Tierhaltungsanlagen können erhöhte Ammoniakkonzentrationen in der Luft die Alterung von Verkapselungsmaterialien und Kontaktprobleme beschleunigen. Der IEC-62716-Ammoniakkorrosionstest bewertet gezielt die Beständigkeit von Modulen in ammoniakhaltigen Umgebungen.
Für landwirtschaftliche Dachanlagen oder industrielle Lagergebäude verringert der Einsatz entsprechend geprüfter Module das Risiko von Materialdegradation und elektrischen Kontaktfehlern und erhöht die langfristige Systemstabilität.
PID-Beständigkeitstest: Hochspannungssysteme
In Hochspannungs-PV-Systemen kann die potenzialinduzierte Degradation (PID) schrittweise zu Leistungsverlusten führen. PID-Tests simulieren Langzeitbedingungen unter hoher Temperatur, Luftfeuchtigkeit und Spannung, um die Widerstandsfähigkeit gegen Leistungsabfall zu bewerten.
Bei großen gewerblichen Anlagen oder Hochspannungsnetzanbindungen trägt die Auswahl PID-zertifizierter Module dazu bei, den langfristigen Energieertrag zu sichern und verdeckte Leistungsverluste zu vermeiden.
Auswahlempfehlung
Bei Projekten unter besonderen Umweltbedingungen sollte die Modulauswahl nicht ausschließlich auf Leistungs- oder Effizienzkennzahlen basieren. Entscheidend ist die Bewertung der Umweltanpassungsfähigkeit im jeweiligen Anwendungskontext. Die Prüfung, ob Module Salzsprüh-, Ammoniakkorrosions- oder PID-Tests bestanden haben, sowie die Verifizierung entsprechender Zertifizierungsnachweise unabhängiger Stellen sind wesentliche Schritte zur Reduzierung langfristiger Betriebsrisiken.
5. Zertifizierungstrends und zukünftige Beschaffungsentscheidungen
Mit der Reifung des europäischen Photovoltaikmarktes entwickelt sich die Modulzertifizierung von einer grundlegenden Compliance-Anforderung zu einem Instrument des Risikomanagements. Beschaffungsentscheidungen verlagern sich vom reinen Vergleich von Leistung und Preis hin zur Bewertung langfristiger Zuverlässigkeit, Sicherheitsperformance und Umweltanpassungsfähigkeit. Photovoltaiksysteme werden zunehmend als langfristige Betriebsanlagen und nicht mehr als einmalige Investitionsgüter betrachtet.
In gewerblichen und industriellen PV-Projekten sind Zertifizierungssysteme heute eng mit konkreten Anwendungsszenarien verknüpft. Brandschutzklassen und spezielle Umweltprüfungen gelten nicht mehr als optionale Zusatzkriterien, sondern als integraler Bestandteil einer umfassenden Risikobewertung. Bei der Modulauswahl müssen daher neben Leistungskennzahlen auch Stabilität und Betriebssicherheit unter spezifischen Gebäude- und Umweltbedingungen berücksichtigt werden.
Aus Projektsicht lässt sich die Modulauswahl in drei Bewertungsebenen gliedern:
- Grundlegende Zuverlässigkeits- und Sicherheitszertifizierung: Sicherstellung der Einhaltung zentraler IEC-Normen als Basis für strukturelle und elektrische Sicherheit
- Anwendungsspezifische Zusatzprüfungen: Klärung, ob je nach Projektumgebung zusätzliche Zertifizierungen für Brandschutz, Salzsprüh-, Ammoniakkorrosion oder PID-Beständigkeit erforderlich sind
- Langfristige Betriebsrisikobewertung: Abstimmung des Zertifizierungsprofils auf Gebäudetyp und Betriebsbedingungen

Bei der praktischen Projektbewertung werden zunehmend Module bevorzugt, deren Zertifizierung reale Risikoszenarien umfassend abdeckt. Dieser risikoorientierte Auswahlansatz etabliert sich als Standard im europäischen Photovoltaikmarkt.
Er erhöht nicht nur Systemsicherheit und Zuverlässigkeit, sondern schafft auch eine klarere technische Grundlage für Finanzierung, Versicherungsprüfung und langfristige Betriebsführung. Langfristig wird eine zertifizierungsbasierte Risikobewertung die Beschaffung von Photovoltaikmodulen weiterhin maßgeblich prägen.
Maysun Solar liefert für den europäischen Markt Photovoltaikmodule nach internationalen Zertifizierungsstandards und deckt die IBC Technologie, TOPCon Technologie und HJT Technologie ab. Die Produkte sind auf langfristige Zuverlässigkeit, Sicherheit und Umweltanpassungsfähigkeit ausgelegt und für verschiedene Dach- und Systemanwendungen geeignet.
Quellenverzeichnis
IEC 61215 — Terrestrial Photovoltaic (PV) Modules — Design Qualification and Type Approval. IEC Webstore. https://webstore.iec.ch/publication/61345
IEC 61730 — Photovoltaic (PV) Module Safety Qualification. IEC Webstore. https://webstore.iec.ch/publication/59803
P. F. Jack et al., PV Module Corrosion from Ammonia and Salt Mist — Experimental Study with Full-Size Modules, ResearchGate, 2016. https://www.researchgate.net/publication/308950750_PV_Module_Corrosion_from_Ammonia_and_Salt_Mist_-_Experimental_Study_with_Full-Size_Modules
TÜV Rheinland, Photovoltaic Module Testing and Certification Services. https://www.tuv.com/world/en/photovoltaic-modules.html
European Commission — Joint Research Centre (JRC), European Solar Test Installation (ESTI) — PV Performance and Reliability Research. https://joint-research-centre.ec.europa.eu/european-solar-test-installation_en
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