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Wann lohnt sich HJT-Bifazialität auf europäischen Dächern – und wann ist IBC besser?

20. April 2026

Bei europäischen Dachprojekten hängt die Wahl zwischen HJT-Bifazialmodulen und IBC-Modulen vor allem von den konkreten Dachbedingungen ab.

Ob ein Dach überhaupt bifaziales Potenzial bietet, ob der Engpass eher bei der rückseitigen Belichtung oder bei der verfügbaren Dachfläche liegt und wie wichtig Optik und Gebäudeintegration sind, verändert die Prioritäten bei der Modulauswahl unmittelbar.

Inhalt

  1. Warum sind nicht alle europäischen Dächer für Bifazialmodule geeignet?
  2. Welche Dächer können den bifazialen Vorteil von HJT-Modulen wirklich nutzen?
  3. Wann sollte der bifaziale Wert von HJT-Modulen nicht überschätzt werden?
  4. Wann ist IBC gegenüber Bifazialmodulen die sinnvollere Wahl?
  5. Was sollte bei europäischen Dachprojekten zuerst geprüft werden?
  6. Häufige Fragen zu HJT-Bifazialmodulen und IBC-Modulen

1.Warum sind nicht alle europäischen Dächer für Bifazialmodule geeignet?

Entscheidend ist, ob das Dach überhaupt ausreichende rückseitige Belichtung ermöglicht.

Studien, unter anderem von IEA PVPS, zeigen, dass der Mehrertrag von Bifazialmodulen auf Dächern stark von Dachreflexion, Installationsart und rückseitigen Lichtverhältnissen abhängt. Entsprechend fallen die Ergebnisse je nach Dach sehr unterschiedlich aus.

Für die Wahl zwischen HJT und IBC bei europäischen Dachprojekten sind vor allem drei Fragen entscheidend:

  • ob das Dach reale Voraussetzungen für bifazialen Mehrertrag bietet
  • ob der Engpass eher bei der rückseitigen Belichtung oder bei der verfügbaren Dachfläche liegt
  • ob Optik und Gebäudeintegration im Projekt stärker gewichtet werden

2.Welche Dächer können den bifazialen Vorteil von HJT-Modulen wirklich nutzen?

Der bifaziale Vorteil von HJT-Modulen kommt vor allem auf folgenden Dächern besser zur Geltung:

  • Dächer mit hellen PVC- oder TPO-Dachbahnen, hellem Beton oder anderen stark reflektierenden Oberflächen
  • Dächer mit ausreichend Abstand zwischen Modul und Dachfläche
  • relativ ebene Dächer mit geringer Beeinträchtigung der rückseitigen Belichtung durch Lichtkuppeln, Technikaufbauten oder Attiken und mit vergleichsweise offener Belegung

Auf solchen Dächern ist das rückseitig reflektierte Licht stabiler. Dadurch lässt sich die hohe Bifazialität von HJT-Modulen eher in realen Mehrertrag umsetzen.

In solchen Szenarien reduziert die SMBB-Struktur von HJT-Modulen Abschattungs- und Leitungsverluste, während die Glas-Glas-Bauweise für den langfristigen Außeneinsatz gut geeignet ist. Noch deutlicher zeigen sich diese Vorteile bei Carports, Zäunen oder Installationen über stark reflektierenden Flächen. Bei Dachprojekten sollte jedoch zuerst die rückseitige Belichtung bewertet werden.

Eine Flachdachstudie der ZHAW in der Schweiz zeigt, dass Bifazialmodule in Kombination mit einer hochreflektierenden Dachbahn den Jahresertrag gegenüber einem Standardsystem um rund 15 % steigern können. Dachmodellierungen weisen unter idealen Bedingungen sogar auf ein zusätzliches Ertragspotenzial von bis zu 22,6 % hin.

3.Wann sollte der bifaziale Wert von HJT-Modulen nicht überschätzt werden?

Ob sich der bifaziale Vorteil von HJT-Modulen in realen Mehrertrag umsetzen lässt, hängt weniger von den Moduldaten als von den Dachbedingungen ab.

Besonders häufig wird der bifaziale Wert von HJT-Modulen bei folgenden Dachtypen überschätzt:

  • geneigte Dächer mit dunklem Trapezblech oder dunkler Dacheindeckung: geringe Dachreflexion, meist dachnahe Montage und damit dauerhaft schwache rückseitige Belichtung
  • gewerbliche und industrielle Dächer mit vielen Aufbauten: Lichtkuppeln, Lüfter, Abluftöffnungen, Leitungen, Wartungswege und Attiken zerschneiden die Belegungsfläche und unterbrechen die rückseitige Belichtung
  • Dächer mit komplexer Geometrie: unregelmäßige Dachformen, unterschiedliche Ausrichtungen und kleinteilige Randbereiche erhöhen die Verluste durch Belegung und Verschattung
  • Projekte mit dachnaher Montage und sehr engem Reihenabstand: Der Abstand zur Dachfläche ist zu gering, um rückseitig genügend Licht nutzbar zu machen

Die häufigste Fehleinschätzung bei solchen Projekten besteht darin, eine hohe Bifazialität als Ausgleich für schwache Dachbedingungen zu betrachten.

Bei vielen Dachprojekten wird der Ertrag nicht durch die Bifazialität begrenzt, sondern durch nutzbare Fläche, Belegungseffizienz sowie Vorgaben aus Brandschutz und Wartung.

Die Bewertung sollte daher immer beim Dach selbst ansetzen. Erst wenn Fläche, Verschattung und Gebäudeintegration klar eingeordnet sind, lässt sich sinnvoll entscheiden, ob bifazialer Mehrertrag im Vordergrund stehen sollte oder ob eine besser zum Dach passende Lösung die sinnvollere Wahl ist.

4.Wann ist IBC gegenüber Bifazialmodulen die sinnvollere Wahl?

Wenn Dachprojekte vor allem durch Fläche, Optik, Gebäudeintegration oder Belegungseffizienz begrenzt sind, ist IBC oft die sinnvollere Option als Bifazialmodule.

Fehlt ausreichende rückseitige Belichtung, lässt sich mit Bifazialmodulen kaum zusätzlicher Ertrag erzielen. Bei begrenzter Fläche rückt der Ertrag pro Quadratmeter in den Fokus. In vielen Projekten spielen zudem Optik und die Einbindung ins Gebäude eine größere Rolle.

4.1 Was ist bei begrenzter Fläche entscheidend?

Bei begrenzter Dachfläche zählt vor allem der Ertrag pro Quadratmeter.

Viele gewerbliche Dächer in Europa wirken groß, sind aber durch Lichtkuppeln, Technik, Attiken, Wege, Brandschutzvorgaben und Verschattung stark fragmentiert. Entscheidend für den Ertrag ist, wie viele Module zusätzlich installiert werden können, ob Randflächen nutzbar sind und wie vollständig die Belegung bleibt.

4.2 Warum beeinflussen Optik und Gebäudeintegration die Wahl?

Bei hochwertigen Wohngebäuden, Stadtentwicklungsprojekten, repräsentativen Gewerbebauten oder gut sichtbaren Dächern wird die optische Integration oft Teil der Modulauswahl.

IBC-Module bieten hier nicht nur ästhetische Vorteile. Durch die reduzierte visuelle Struktur auf der Vorderseite ermöglichen sie ein ruhigeres, homogeneres Dachbild. In solchen Projekten werden Module Teil der Gebäudehülle.

4.3 Welche Dächer sprechen eher für IBC-Module?

Für folgende Dächer ist IBC häufig die bessere Wahl:

  • gewerbliche Dächer mit begrenzter nutzbarer Fläche: fragmentierte Belegung, Fokus auf Ertrag pro Quadratmeter
  • Wohn- und kleinere Gewerbedächer mit hohen optischen Anforderungen: entscheidend ist das Gesamtbild nach Installation
  • Projekte mit Fokus auf Sanierung und Fassadenintegration: Module sollen sich in die Architektur einfügen
  • Dächer ohne stabile bifaziale Voraussetzungen, bei gleichzeitigem Fokus auf langfristige Qualität: Entscheidungen sollen nicht auf unsicheren bifazialen Annahmen basieren

IBC-Module sind keine Universallösung. Bei Dächern mit hoher Reflexion, ausreichender Aufständerung und stabiler rückseitiger Belichtung bleiben HJT-Module und andere bifaziale Technologien weiterhin eine sinnvolle Option zum Vergleich.

5.Was sollte bei europäischen Dachprojekten zuerst geprüft werden?

Bei europäischen Dachprojekten ist nicht entscheidend, welche Technologie theoretisch überlegen ist, sondern wodurch das Projekt konkret begrenzt wird.

5.1 Gibt es eine reale Grundlage für bifazialen Mehrertrag?

Zuerst sind Dachreflexion, Installationsart, verfügbare rückseitige Belichtung und die Belegungsqualität zu prüfen. Helle oder stark reflektierende Flachdächer mit ausreichender Aufständerung und geringer Verschattung eignen sich eher für den Einsatz von Modulen mit hoher Bifazialität. Bei dunklen Dächern, dachnaher Montage, vielen Aufbauten und dichter Belegung lässt sich der bifaziale Vorteil meist nicht in relevanten Mehrertrag umsetzen.

5.2 Wo liegt der tatsächliche Engpass des Projekts?

In vielen europäischen Dachprojekten liegt die Einschränkung nicht in der Technologie, sondern in begrenzter belegbarer Fläche, fragmentierter Belegung oder höheren Anforderungen an Optik und Gebäudeintegration. Liegt der Fokus auf zusätzlichem Ertrag, bleibt die Bewertung bei bifazialem Mehrertrag. Liegt der Fokus auf Fläche, Belegung und Architektur, verschiebt sich die Bewertung hin zu Ertrag pro Quadratmeter und Dachkompatibilität.

5.3 Welche Technologie passt besser zum Dach?

Bei guter Reflexion, ausreichender rückseitiger Belichtung und passenden Installationsbedingungen sind HJT-Module und andere bifaziale Technologien sinnvoll zu prüfen. Bei begrenzter Fläche, eingeschränkter Belegung oder hohen Anforderungen an Optik und Integration sind IBC-Module in der Regel die geeignetere Wahl.

Häufige Fragen zu HJT-Bifazialmodulen und IBC-Modulen

1.Lohnen sich Bifazialmodule auf europäischen Dächern wirklich?

Nicht unbedingt. Bifazialer Mehrertrag ist auf Dächern nicht automatisch gegeben. Entscheidend sind Dachreflexion, Installationshöhe, Belegung und verfügbare rückseitige Belichtung. Sind diese Voraussetzungen nicht erfüllt, fällt der Unterschied zu Standardlösungen deutlich geringer aus.

2.Welche Dächer ermöglichen echten Mehrertrag mit HJT-Bifazialmodulen?

Flachdächer mit hoher Reflexion, ausreichender Aufständerung, geringer Verschattung und möglichst durchgängiger Belegung bieten die besten Voraussetzungen, um die hohe Bifazialität von HJT-Modulen in realen Ertrag umzusetzen. Eine ZHAW-Studie zeigt, dass Bifazialmodule in Kombination mit reflektierenden Dachbahnen den Jahresertrag um rund 15 % steigern können.

3.Sind Bifazialmodule bei dunklen Dächern und dachnaher Montage sinnvoll?

Meist nicht. Geringe Reflexion und wenig Abstand zur Dachfläche reduzieren die rückseitige Belichtung deutlich. Zusätzlicher Ertrag lässt sich unter diesen Bedingungen kaum realisieren.

4.Was ist bei begrenzter Dachfläche wichtiger: HJT oder IBC?

Ist die Fläche, Belegung oder Gebäudeintegration der limitierende Faktor, sind IBC-Module in der Regel die bessere Wahl. Bei guten Reflexionsbedingungen und ausreichend rückseitiger Belichtung mit Fokus auf maximalen Ertrag sind HJT-Bifazialmodule sinnvoll zu prüfen.

5.Wie erfolgt die Wahl zwischen HJT und IBC bei Dachprojekten?

Zuerst prüfen, ob bifaziale Voraussetzungen gegeben sind. Danach klären, ob der Engpass bei rückseitiger Belichtung oder bei Fläche, Belegung und Architektur liegt. Ist stabiler bifazialer Mehrertrag möglich, sind HJT-Module sinnvoll. Bei begrenzter Fläche, komplexen Dächern oder hohen Anforderungen an Optik und Integration sind IBC-Module meist die bessere Wahl.

Als Solarmodulhersteller liefert Maysun Solar stabile Versorgung für den europäischen Großhandel, mit führenden N-Typ Zelltechnologien wie IBC Technologie, TOPCon Technologie und HJT Technologie. Wir helfen EPCs und Projektkäufern, bei passenden Bedingungen höhere Leistung pro Flächeneinheit und bessere Systemeffizienz zu erzielen.

Quellenverzeichnis

Stein, J. S., Reise, C., Castro, J. B., et al. (2021). Bifacial Photovoltaic Modules and Systems: Experience and Results from International Research and Pilot Applications. Report IEA-PVPS T13-14:2021. https://iea-pvps.org/wp-content/uploads/2021/04/IEA-PVPS-T13-14_2021-Bifacial-Photovoltaic-Modules-and-Systems-report.pdf

ZHAW School of Engineering. (2025). Optimising the electricity yield of photovoltaics on flat roofs. https://www.zhaw.ch/en/engineering/institutes-centres/iefe/news/news/event-news/optimising-the-electricity-yield-of-photovoltaics-on-flat-roofs

Ernst, M., Liu, X., Asselineau, C.-A., Chen, D., Huang, C., & Lennon, A. (2024). Accurate modelling of the bifacial gain potential of rooftop solar photovoltaic systems. Energy Conversion and Management, 300, 117947. https://doi.org/10.1016/j.enconman.2023.117947

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